Bewegter Religions­unterricht in digitalisierten Lern­welten

„Woher weiß ich, dass es mich wirklich gibt und ich keine Figur in einem Computerspiel bin?“, fragte einmal ein Jugendlicher. Wird der eigene Avatar zur Ersatzperson, die in weitreichender Weise in digitalen Welten handeln kann, während die analoge Person an Bedeutung verliert?

Das Ich-Bewusstsein gründet jedoch in der eigenen Leiblichkeit und in den leiblichen Empfindungen. Das Gestalten und Erleben der eigenen Körperbewegung versichert jedem Menschen: Nur ich bin ich. Das eigene leiblich-sinnliche Erleben ist immer individuell und unterscheidet sich umfassend von „Künstlicher Intelligenz“, die allgemeine Daten gruppiert nach statistischen Regeln. Die große Bedeutung, die das Digitale für unsere Gegenwart hat, darf nicht dazu führen, dass die Leiblichkeit des Menschen in den Hintergrund gerät oder nur an Gesundheits- und Sportbereiche ausgelagert wird.

Sondern der Körper ist als unauflösbare integrale Existenz der lebenden menschlichen Persönlichkeit angesprochen: Als Ausdruckskraft, in der Handlungsfähigkeit, im Verstehen, im Empfinden, im Wahrnehmen der eigenen Wirklichkeit und ihrer Verfassung…

Diesen Bedingungen sieht sich das Konzept Bewegter Religionsunterricht verpflichtet – nicht nur in anthropologischer Hinsicht, sondern auch in theologischer: Wenn Naturgesetze und Kosmos nicht aus sich selbst heraus entstanden sind, sondern sich einer Schöpferkraft verdanken, sind zwar auch die digitalen Entwicklungen diesen erschaffenen Naturgesetzen unterworfen. Aber Gott verbindet sich nach christlichem Glauben mit der leiblichen Natur des Menschen in der Person des Jesus Christus und wendet sich kompromisslos liebend der leiblichen Verletzlichkeit zu. Somit ist es Aufgabe des Bewegten Religionsunterricht gerade in digitalisierten Lernumgebungen den Schüler*innen Spielräume zu eröffnen, in denen sie sich in ihrer leiblichen Integrität den Sinnfragen und religiösen Fragen stellen können.